Aus für Druckerei der Lübecker Nachrichten – Kiel übernimmt

Die Konsolidierung im Zeitungsdruckbereich geht weiter. So gehen auch im Norden Deutschland in immer mehr angestammten Rotations-Druckhallen die Lichter aus. Auch bei den zur Madsack Mediengruppe gehörenden „Lübecker Nachrichten“  haben rückläufige Auflage sowie Einschnitte beim Anzeigentitel „Wochenspiegel“ Konsequenzen. Der Verlag will seine Druckerei mit 34 Mitarbeitern schließen. Hinzu kommen 30 Beschäftigte eines Personaldienstleisters, die durch die Schließung der Druckerei ebenfalls ihre Arbeit verlieren. Künftig soll die Zeitung bei den „Kieler Nachrichten“ gedruckt werden, ebenfalls Teil der Madsack-Gruppe.

Die Gewerkschaft Ver.di läuft jedenfalls gegen die geplante Schließung Sturm.  Jürgen Krapf, zuständiger Gewerkschaftssekretär von ver.di Nord: „Der Konzern hat aus heiterem Himmel die Belegschaft und den Betriebsart vor vollendete Tatsachen gestellt und dabei auch die Rechte des Betriebsrats missachtet. Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, wie hier mit den Menschen umgegangen wird. Ohne die Möglichkeit von Gesprächen im Vorwege wird in eiskalter Art die Tatsache der Schließung verkündet“, so Krapf.

Die Lübecker Nachrichten sind eines der deutschen Traditionsblätter. Sie gingen 1946 aus dem 1882 von Charles Coleman gegründeten Lübecker General-Anzeiger hervor. Die Regionalausgabe Lübeck erscheint noch mit diesem Untertitel. Seit 1971 war der Axel Springer Verlag mit 49 Prozent an den Lübecker Nachrichten beteiligt. Anfang 2009 verkaufte Springer zusammen mit mehreren anderen Regionalzeitungen seine Anteile an Hannoveraner Verlagsgruppe Madsack.  Weitere 24 Prozent liegen bei der I&V (Industrie- und Verlagsbeteiligung), 24 Prozent hält der Herausgeber und Verleger Jürgen Wessel, drei Prozent der ehemalige Geschäftsführer Dr. Günter Semmerow.

Am 12. September 1984 fand die Grundsteinlegung für das neue Druckzentrum Herrenholz statt. Seit 1986 wird im Rollenoffsetverfahren im heutigen Verlagssitz im Herrenholz in Lübeck-Buntekuh gedruckt (siehe Bild).
Drucktechnisch wäre die Lübecker Zeitungsdruckerei  nioch gut aufgestellt. Seit Jänner 2009 druckt dort eine COLORMAN XXL von manroland.  Die Herausforderung bei der Installation war damals, das neue Drucksystem, eine Parterremaschine, in die Halle des bestehenden Papierlagers einzubringen. Der Architekt ließ das Dach anheben, die Rotation wurde „wie mit einem Schuhlöffel eingepasst, ohne den gewohnt guten Bedienkomfort zu beeinträchtigen“, so der damalige manroland-Projektleiter Gerhard Bartl.

Im Bild das Verlags- und Druckereigebäude in Lübeck Herrenholz

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