OZ Druck und Medien: Insolvenz trotz voller Auftragsbücher

Probleme weil Finanzierungspartner trotz guter Geschäfte seine Unterstützung zurückzog.

Das Rheinfelder Druckhaus OZ Druck und Medien hat mit 31. Juli Insolvenz angemeldet. Mit Stephan Rüdlin wurde ein vorläufiger Insolvenzverwalter benannt, der den Betrieb mit 70 Mitarbeitern stabilisieren wolle, um die Geschäfte weiterführen zu können. Mit drei Rollenoffsetmaschinen, zwei 32-seitigen Lithoman 3 und einer 80-seitigen Lithoman 4, produziert OZ Druck & Medien rund um die Uhr hauptsächlich Beilagen im Umfang von 4 bis 80 Seiten in allen gängigen DIN- und zahlreichen Sonderformaten.

Der geschäftsführende Gesellschafter Michael Medweth bestätigte gegenüber der Badischen Zeitung die Einschätzung des Insolvenzverwalters, nachdem OZ Druck zwar volle Auftragsbücher habe, aber in eine dramatische wirtschaftliche Situation geraten sei: „OZ Druck hat kein grundsätzliches Problem, wir haben eine sehr gute Auslastung bis Jahresende und werden auch Geld verdienen. Getroffen hat uns die kurzfristige Entscheidung eines Finanzierungspartners.“

Allerdings stehe OZ wie die gesamte Druckbranche seit Jahren unter großem Druck. „Die Margen sinken und große Volumen wandern in andere Bereiche ab“, erklärt Medweth. „Wir haben aber unsere Hausaufgaben gemacht, haben Personal und Kosten reduziert und sind sehr leistungsfähig.“ Bis vor drei Jahren zählte das Unternehmen noch rund 100 Mitarbeiter, heute sind es 70. Insolvenzverwalter Rüdlin bestätigt in der BZ , dass das Unternehmen seinen ersten Eindrücken nach gut dastehe.

Die Finanznot kommt zur Unzeit: Im Oktober könnte OZ Druck das 50-jährige Bestehen feiern. Den Vorläufer von OZ Druck und Medien hatte Hanspeter Medweth als Akzidenzdruckerei OZ Druck im Jahre 1968 gegründet. 1976 kam ein Verlag hinzu, dessen Produkte seit 2012 unter der Dachmarke Medweth Media Group gebündelt werden. Diese Sparte leitet Medweths Bruder Christian. Dazu gehören der OZ Verlag, BPV Medien, Family Media mit Sitz in Freiburg und der Christophorus Verlag. Die Zeitschrifteneinheit Vision Media wurde im Juni aufgelöst, die Zeitschrift Madame im November, Jolie im Februar verkauft.

Zwar sitzen beide Unternehmen, Druck und Verlag, in der Rheinfelder Römerstraße, doch nur rund 15 Prozent des Umsatzes der Druckerei werden mit den Produkten der Schwesternverlage erwirtschaftet, erklärt Michael Medweth. Er zeigt sich überzeugt, das Unternehmen weiterführen zu können. Zwar schließt er einen Verkauf der Druckerei nicht aus, Priorität habe aber eine andere Lösung: „Die beste Option wäre die Verbindung mit einer anderen Druckerei mit langfristiger Perspektive und Einsparpotenzialen für beide Seiten.“ Nach einem passenden Investor halte er schon länger Ausschau und sei überzeugt, gerade mit der Lage am Hochrhein viel bieten zu können. „Es gibt bereits Interessenten, die als strategische Partner auftreten könnten.“ Einsparungen könnten allerdings weitere Stellen kosten, doch Medweth ist überzeugt: „Am Ende wären 50 erhaltene Arbeitsplätze besser als 70 verlorene.“

 

Im Bild Geschäftsführer Michael Medweth, hier bei einer Führung durch die Räume der OZ Druck und Medien, sucht einen strategischen Partner für die Zukunftssicherung des Unternehmens.

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