Nepszabadsag: Erpressung mit Anzeigensperre? Österreicher verkaufen an Orban

Medien/Verlage

Die ungarische Tageszeitung „Nepszabadsag“ ist an ein regierungsnahes Unternehmen verkauft worden. Anlass: massiver Druck von Seiten der Regierung.
Die Aktien des Eigentümerverlags der Traditionszeitung, Mediaworks, wurden vom österreichischen Unternehmer Heinrich Pecina zu 100 Prozent an die als regierungsnahe Firma Opimus Press veräußert. Opimus Press soll Lörinc Meszaros nahestehen, einem persönlichen und Parteifreund von Regierungschef Viktor Orban.
Die überraschende Einstellung der bekannten Oppositionszeitung „Nepszabadsag“ hatte zu Kritik im In- und Ausland geführt. Das Aus wurde vom Verlag mit Verlusten in der Höhe von fünf Millionen Forint (200.000 Euro) seit 2007 begründet. Und man berichtete von einer „Anzeigensperre“ aufgrund heftigen Drucks von Regierungskreisen. Wer sich Mediaworks sichert, kann „aus dem Stand eine Million Menschen erreichen“, schrieb das Nachrichtenportal „Index“. Es sei demnach ein „Geschenk“ für die Regierung, dass der Mediaworks-Verlag mit seinen 13 Regionalzeitungen in Fidesz-nahe Hände gelangte. Auf dem ländlichen ungarischen Zeitungsmarkt spielen Regionalblätter nach wie vor eine wichtige Rolle. Zudem gehört auch die populäre Sport-Tageszeitung „Nemzeti Sport“ zum Portfolio von Mediaworks.
Die NGO Freedomhouse, die sich für die Föderung liberaler Demokratien einsetzt, übt massive Kritik an dem Verkauf der Zeitung. Die Einstellung und der Verkauf des Blattes zeige, den wachsenden Einfluss der Regierung auf Ungarns Presse. Die ungarische Regierung missbrauche Eigentumsverhältnisse als politisches Instrument, um kritische Berichterstattung zu verhindern, heißt es in einem Statement. Die EU und die Vereinigten Staaten sollen diese Attacke auf die Pressefreiheit verurteilen.

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