Madsack und DuMont: Eine Redaktion für 50 Titel

Gemeinsame Hauptstadtredaktion gefällt nicht allen. Aber: „Transformation der Medienbranche beschleunigt sich“

Die Madsack Mediengruppe und DuMont gründen in Berlin eine gemeinsame Hauptstadtredaktion für alle journalistischen Inhalte aus den überregionalen Themenfeldern Politik und Wirtschaft.

Künftig wird die dafür vorgesehene RND Berlin GmbH, an der das zu Madsack gehörende RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zu 75 % und DuMont zu 25 % beteiligt sein werden, täglich mehr als 50 regionale Tageszeitungen mit einer Reichweite von bis zu 6,8 Mio. versorgen. Die Gesamtauflage aller Titel im Netzwerk beträgt 2,3 Mio. Exemplare.

„Mit unserem hohen Qualitätsanspruch und der bemerkenswerten Reichweite ist dieses journalistische Netzwerk in Zeiten politisch wie gesellschaftlich großer Herausforderungen ein klares publizistisches Signal. Die Partnerschaft stellt noch intensivere Recherche und hervorragende Berichterstattung relevanter Themen aus Politik und Wirtschaft sicher“, so Christian DuMont Schütte, Aufsichtsratsvorsitzender von DuMont und Herausgeber.

„Die publizistische Relevanz unseres RedaktionsNetzwerks Deutschland nimmt durch die Partnerschaft nochmals deutlich zu“, sagt Thomas Düffert, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der MADSACK Mediengruppe. „Das ist Ansporn und Verantwortung zugleich. Mehr denn je bin ich von der Stärke regionaler Tageszeitungen im Verbund überzeugt. Das ist der Weg, Qualitätsjournalismus weiter auszubauen.“

Die RND Berlin GmbH wird ihren Sitz im Gebäude der Bundespressekonferenz haben. Geschäftsführer werden Wolfgang Büchner und Uwe Dulias, das Büro wird Gordon Repinski leiten. Er hat bisher schon die Hauptstadtredaktion des RedaktionsNetzwerk Deutschland geführt. Für die gemeinsame Redaktion sollen vom 1. Oktober an 18 Journalisten recherchieren und Inhalte für Abonnement- und Kaufzeitungen und deren digitale Angebote erstellen, Madsack und DuMont investieren damit in die journalistische Kompetenz und Qualität der gemeinsamen Politik- und Wirtschaftsberichterstattung. Die Produktion der Zeitungsseiten soll für alle Partner des RND am Madsack-Standort in Hannover erfolgen. Publizistisch verantwortlich bleiben die Chefredakteure der einzelnen Zeitungstitel.

Die gesamte Zusammenarbeit der Madsack Mediengruppe und DuMont steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt.

Im Bild der Feratti Bau in Berlin Kreuzberg, der zukünftige Sitz der gemeinsamen Redaktion von Madsack und DuMont

 

Das Interview zur Story mit Madsack-CEO Thomas Düffert

Ein regionales Zeitungshaus auf Expansionskurs: Mit seinem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) bietet die in Hannover ansässige Mediengruppe Madsack auch Wettbewerbern Mantel-Content an. Die Gründung einer von Madsack dominierten Gemeinschaftsredaktion mit DuMont ist dabei ein strategischer Quantensprung, der zumindest mit Blick auf DuMont heftige Kritik hervorruft. Der Mediendienst Horizont spricht gar von einer „Kölschen Kapitulation“. Madsack-CEO Thomas Düffert sieht das Kooperations-Konstrukt im Interview mit MEEDIA als notwendige Maßnahme zur Sicherung der „publizistischen Vielfalt“.

Welche strategische Bedeutung hat die geplante Allianz mit DuMont für Ihr Zeitungshaus?
Thomas Düffert: Der Transformationsprozess in der Medienbranche beschleunigt sich. Die Dominanz von USKonzernen wie Google und Facebook nimmt immer weiter zu. Zugleich wachsen hierzulandeordnungspolitische Unwägbarkeiten von Datenschutzgrundverordnung bis Leistungsschutzrecht. Wir schauen diesem Wandel unseres Ökosystems nicht einfach zu, sondern gestalten ihn mit. Die Konsolidierung des Marktes ist in vollem Gange. Vielleicht mag es nicht jeder hören, aber das ist,
wenn wir es wirklich ernst meinen mit professionellem Journalismus, auch gut so.

Ist DuMont künftig als 25 Prozent-Teilhaber in der neuen Mantel-Kombi ein reiner Finanzinvestor oder stimmen Sie sich auch über die publizistische Ausrichtung ab?
Wir haben eine strategische Partnerschaft beschlossen – keine Finanzbeteiligung. Die Kollegen bei Madsack, beim Redaktions-Netzwerk Deutschland, freuen sich auf ihre neuen Partner in Köln, Berlin, Halle und Hamburg. Unsere partnerschaftliche Zusammenarbeit sieht so aus, dass sich die Chefredakteure aller Partner-Titel täglich austauschen – wie es beim RND seit Jahren gelebte Praxis ist, dass alle Partner auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Das ist die Art von Netzwerkgedanken,
die wir von Tag eins des RedaktionsNetzwerks Deutschland angelegt haben und die das RND von klassischen Zentralredaktionen klar unterscheidet. DuMont, Madsack und alle Partner des RND arbeiten auf Augenhöhe.

In den Erklärungen der Beteiligten ist mehrfach von Qualitätsjournalismus die Rede. Die gemeinsame Redaktion ist aber vor allem ein Schlag ins Kontor der publizistischen Vielfalt.
Im Gegenteil, die gemeinsame Hauptstadtredaktion ist ein Statement zur langfristigen Sicherung der publizistischen Vielfalt in den Regionen. Unsere Leser interessieren sich für Ihre Heimat, für das lokale und regionale Geschehen. Sie erwarten neben einer erstklassigen regionalen Berichterstattung aber auch gründlich recherchierte und hervorragend geschriebene Beiträge zu nationalen und internationalen Themen. Exklusive Interviews und Analysen namhafter Autoren. Mit der neuen Aufstellung und den zusätzlichen Ressourcen ist durch die RND Berlin GmbH genau das für alle Partner des RedaktionsNetzwerks Deutschland gewährleistet. Außerdem: Es käme ja auch niemand auf die Idee, internationale Nachrichtenagenturen als Gefahr für die publizistische Vielfalt zu betrachten. Sie wurden einst genau aus diesem Grund gegründet: um die Qualität der Berichterstattung aus dem In- und Ausland für viele Partner und Kunden sicherzustellen.

Sie sind mit dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) schon seit längerem dabei, andere Verlage als Kunden für den Mantelteil zu gewinnen. Verhandeln Sie aktuell mit weiteren potenziellen Partnern?
Durch die strategische Partnerschaft mit DuMont werden unsere Journalisten künftig Nachrichten aus Politik und Wirtschaft für mehr als 6, 5 Mio. Leser liefern. Das ist eine ganz besondere Verantwortung, die wir gegenüber unseren RND-Partnern und deren Lesern tragen. Mit dem Redaktions-Netzwerk Deutschland beschreiten wir seit seiner Gründung 2014 unseren eigenen Weg: Wir waren von Anfang an überzeugt, dass regionale Tageszeitungen aus der Stärke eines gemeinsamen Verbund ganz besonders erfolgreich agieren können. Dass diese Überzeugung richtig ist, sehen wir heute mit mehr als 40 Partner-Zeitungen im RND, die alle von der Zusammenarbeit profitieren. Das macht uns immer wieder zum Gesprächspartner potentiellen Partner.

Die Regionalverlage sind sehr kreativ im Kostenmanagement, was angesichts der Marktbedingungen auch nachvollziehbar ist. Zukunftssicherung braucht aber Investitionen, auch in Personal. Wie sieht es damit aus?
Die Madsack Mediengruppe hat im Frühjahr eines der größten journalistischen Investitionsprogramme der vergangenen Jahre angestoßen. Wir investieren hier in Technik, Spezialisten für digitale publizistische Produkte, inbesondere aber in Journalistinnen und Journalisten. Insgesamt haben wir für unsere journalistische Digitaloffensive 70 Stellen ausgeschrieben. Denn wir glauben unverändert an die Kraft ausgezeichneter journalistischer Arbeit – in Zeitungen und im Web. Bei der RND Berlin GmbH werden nun wieder zehn neue Kolleginnen und Kollegen gesucht. Die Botschaft ist eindeutig: Die Madsack Mediengruppe investiert umfangreich – auch in Personal.

Wenn die Produktion des Mantelteils der Zeitungen durch viele Abnehmer für den einzelnen Titel finanziell günstiger wird, wäre doch eine Aufstockung der Lokalredaktionen sinnvoll, damit die Leser dort einen Mehrwert bekommen. Planen Sie in diese Richtung?
Die Partner im Redaktions-Netzwerk Deutschland profitieren von perfekt auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Inhalte. Das ermöglicht ihnen mehr Freiräume, sie können sich auf ihre Kernkompetenz, die lokalen Inhalte, konzentrieren.

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