Die Rollen-Elephantenhochzeit – ein Interview

Manroland web und Goss haben sich zum weltweit größten Rotationsmaschinenanbieter zusammengeschlossen. In einem Interview erklärt manroland Goss CCO Dr. Daniel Raffler Hintergründe und Details.

Die im Frühjahr angekündigte Elefantenhochzeit der beiden führenden Rollendrucksystemhersteller manroland web systems und Goss International ist mit 17. August nun tatsächlich vollzogen worden. Das neue Unternehmen wird unter dem Markennamen manroland Goss web systems firmieren und weltweit der führende Anbieter für Rollendruckereien sein. Unter diesem Logo wird manroland Goss auch auf der IFRA-Expo vertreten sein. Alexander Wassermann, Geschäftsführer von manroland web systems, ist Geschäftsführer des neuen Unternehmens mit Hauptsitz in Augsburg. Der nordamerikanische Sitz des Unternehmens wird weiter in Durham, NH, sein. Mohit Uberoi, bisheriger CEO von Goss International, bleibt als Beiratsmitglied mit dem Unternehmen verbunden und unterstützt das Managementteam bei der Geschäftsintegration.

Die Gesellschafter von manroland web systems und Goss International, die Lübecker Possehl-Gruppe bzw. American Industrial Partners (AIP) mit Sitz in New York, bleiben beide Gesellschafter des neuen Unternehmens und werden die etablierte Strategie unterstützen. Der Contiweb-Geschäftsbereich sowie die manroland-Produktionsgesellschaft sind in dieser Transaktion nicht enthalten und bleiben als AIP- bzw. Possehl- Portfoliounternehmen eigenständig.

Alexander Wassermann, Geschäftsführer von manroland Goss web systems, hat jedenfalls klare Pläne: „Sowohl manroland web systems als auch Goss International waren auf einem nachhaltigen Erfolgskurs. Wir werden diesen Weg weiter ausbauen, indem wir unsere globale Präsenz erhöhen, unsere innovativen und fokussierten F& EAktivitäten fortsetzen und unsere Marktpräsenz durch gezielte Konsolidierung stärken. Unsere Kunden können aus einem noch breiteren Portfolio an Produkten und Dienstleistungen wählen, unterstützt durch die branchenführende E-Commerce-Plattform MARKET-X”. Die neue manroland Goss web systems wird sich auf vier Hauptgeschäftsfelder konzentrieren: System-Lösungen (hochautomatisierte Druck- und Weiterverarbeitungsanlagen einschließlich Gebrauchtmaschinen, Maschinenverlagerungen), Retrofit-Lösungen (mechanische sowie Automatisierungsund Closed-Loop-Upgrades für alle Arten von Druckmaschinen), Service-Lösungen (Best-in-Class-Service für Teile, Personal, Tele-Support und leistungsbezogene Serviceverträge) und E-Commerce-Lösungen.

Und wie schaut das Zusammenführen der beiden Unternehmen und die Konsequenzen daraus im Detail aus? Dr. Daniel Raffler, CCO und Mitglied der Geschäftsleitung des alten und auch neuen Unternehmens (im Bild unten), ist Newspaper & Webtech in einem Interview dazu Rede und Anwort gestanden…

Newspaper & Webtech: Wird manroland Goss – wie eigentlich der Name vermuten lässt – zukünftig eine Zweimarken-Politik betreiben? Manroland-Maschinen bleiben hellgrau, Goss dunkelgrau?
Dr. Daniel Raffler: Ja, in nächster Zeit eigentlich schon. Die Holding in Augsburg ist ganz bewusst mit dem Namen manroland Goss web systems GmbH ins Handelsregister eigetragen. Die Produkte werden weiterhin unter ihren angestammten Markennamen wie z.B. Lithoman, Rotoman, Colorman, Geoman, Sunday, Magnum etc. vertrieben.

N& W: Die Produktpalette, die wird langfristig aber wohl bereinigt werden? Gerade im Heatset- Bereich. Zum Beispiel, wer wird weiterhin die 96 Seiten-Maschinen anbieten? Bei den Coldset-Zeitungsmaschinen?
D. R.: So weit sind wir noch nicht, darüber ist noch keine Entscheidung gefallen. Momentan sind alle Maschinen orderbar. Aber auf alle Fälle wird die manroland Goss Gruppe über das breiteste Produktprogramm im Rollenoffsetbereich verfügen. Und natürlich wird für alle Produkte, auch wenn sie zukünftig in der ursprünglichen Konfiguration nicht mehr im Programm sind, langfristig Service gewährleistet bleiben. Sofern es zu Veränderungen im Produktprogramm kommen sollte, werden wir zu gegebener Zeit darüber informieren.

N& W: Und wo wird was künftig gebaut werden?
D. R.: Im Rahmen unseres globalen Wertschöpfungskonzepts werden sämtliche neu bestellten Anlagen von uns am Standort Augsburg montiert werden. Bestehende Goss-Aufträge werden im amerikanischen Durham fertiggestellt und von dort auch ausgeliefert.

N& W: Was passiert dann mit dem Standort Durham wenn dort nicht mehr Druckmaschinen produziert werden?
D. R.: Auch Goss hat nach der Übernahme durch AIP ein Outsourcing-Modell umgesetzt. Die Komponenten werden bereits jetzt fremdgefertigt und in Durham nur mehr zusammengebaut. Auch wenn das zukünftig wegfällt wird der Standort deutlich aufgewertet werden – als Nordamerika Zentrale auch für den manroland-Maschinenbereich. Die dortige technische Mannschaft wird entsprechend eingeschult werden. Durham wird für beide Bereiche Servicezentrale sein und mit einem Telesupport-Center ausgebaut. Und in Durham bleibt auch der gesamte Konstruktionsbereich für die Goss-Systeme. Außerdem wird dort der Nordamerika- Stützpunkt für den Bereich Engineered Solutions, also Retrofit-Lösungen auch für Systeme von Drittanbietern sein. Durham wird auch Stützpunkt für den neuen Bereich E-Commerce Solutions sein.

N& W: Das heißt, beide Produktlinien werden zukünftig ausschließlich in Augsburg gebaut? Wird´s da zumindest am Anfang nicht Kapazitätsprobleme geben?
D. R.: Nein, wir denken nicht – wir haben da ja schon unsere Erfahrung, mit der Übersiedlung der Produktion von Plauen etwa. ( Das dortige Manroland-Werk wurde 2014 geschlossen und die Produktion der dort gefertigen Rotationen nach Augsburg übersiedelt, Anm. d. Red. ), das wir jederzeit durch Goss-Techniker ergänzen können. Die manroland Produktionsgesellschaft ist bestens aufgestellt und hat in Augsburg ein Spitzenteam. Außerdem, wie gesagt, Goss hatte da ein eigenes Outsourcing-System mit zugelieferten Komponenten. In Durham wurden die Maschinen also auch nur konstruiert und zusammengebaut.

N& W: Geografisch… Goss und manroland haben defacto zwei verschiedene Märkte bedient. Goss war in Europa so gut wie nicht präsent…
D. R.: Der Zusammenschluss bringt zumächst einmal eine stärkere Präsenz auf den weltweiten Märkten. Grundsätzlich wird es auch zukünftig zwei bestehende Vertriebskanäle geben. Das heißt, die Produkte werden teils über eigene Organisationen oder etablierte Vertriebs- und Servicepartner, unsere Handelsvertreter, vertrieben. Natürlich werden wir da aber entsprechende Synergien suchen. In Japan etwa war manroland nicht selbst vertreten, Goss ist dort dafür sehr stark, überhaupt in Asien. Oder umgekehrt in Teilen von Südamerika, Brasilien etwa… Die jeweiligen regionalen Stärken der Unternehmen sollen sich ergänzen und zu einer insgesamt besseren Marktpositionierung sowie zu mehr Kundennähe führen, die auch schnelle Reaktionszeiten ermöglichen.

N& W: Was ist da mit dem Goss´schen China-Engagement? Dort existiert ja seit dem Verkauf von Goss durch Shanghai Electric Corporation (SEC) an AIP eine eigenes noch bei SEC verbliebenes Goss Unternehmen Goss Graphic Systems (China) – das in einer noch von SEC beigestellten modernen Fabrik kleine Goss-Rotationen baut und, wie wir gehört haben, der Goss von AIP mit Maschinenverkäufen gehörige Konkurrenz gemacht hat.
D. R.: Die Entstehung von Goss Graphic Systems war damals Teil des AIP Shanghai Electric-Deals und ist nicht Teil des Mergers. Natürlich ist diese Situation nicht ideal, aber wir akzeptieren das einmal so wie es ist.

N& W: Verpackung… Beide Unternehmen haben dafür eigene Maschinen entwickelt – wird man dort das Engagement weiter intensivieren?
D. R.: Korrekt. Der Verpackungsdruckbereich bleibt auch bei manroland Goss ein strategisches Wachstumsfeld, in das weiter investiert wird.

N& W: Bleibt manroland Goss im Wesentlichen ein reines Offset-Unternehmen? Oder will man nun als manroland Goss in andere Bereiche (Flexo) vorstoßen?
D. R.: Die Offset-Technologie zählt sicherlich zu den Kernkompetenzen der manroland Goss Gruppe. Mit der VARIOMAN Anlagenkonzeption haben wir jedoch bereits die Grundlagen geschaffen, auch kombinierte Systemlösungen zu konzipieren und mit einer durchgängigen Maschinensteuerung auf der bewährten PECOM-Plattform auszustatten.

N& W: Wird jetzt Digitaldruck wieder ein Thema? Manroland und Goss waren ja die einzigen Heavy-Metall Maschinenanbieter, die nicht auch Digitalmaschinen im Programm hatten.
D. R.: Nein, definitiv: manroland Goss wird keine eigenen Digitaldruckmaschinen bauen. Aber natürlich beschäftigen wir uns mit Digitaldruck – als Anbieters für digitale Weiterverarbeitungssysteme und Workflow-Lösungen. Und das in einer offenen Architektur für die verschiedenen Hersteller von digitalen Druckmaschinen.

N& W: Ist 1 plus 1 wirklich 2 – welche Synergien, welche Entwicklung erwartet man sich zukünftig?
D. R.: Nein, Zahlen können wir natürlich nicht nennen… Natürlich erwarten wir uns Synergien – allein schon aufgrund der Geschichte und Expertise beider Unternehmen. Synergien, die letztlich den Kunden zugute kommen. Etwa bei der Weiterentwicklung von nutzenorientierten Lösungen, insbesondere im Service, basierend auf der installierten gemeinsamen Maschinenbasis. Wir erwarten zudem Synergien in der globalen Wertschöpfung sowie in der Vertriebs- und Serviceorganisation.

N& W: Wie viele Jobs wird der Merger kosten? Wo hauptsächlich? Bei Goss?
D. R.: Wie auch bei anderen vergleicgbaren Unternehmenszusammenschlüssen werden sch Personalanpassungsmaßnahme nicht vollständig vermeiden lassen. Der Merger btringt aber auch Entwicklungspedspektivenwie schon am Beispiel Dirham genannt. Für Augsburg gilt im Übrigen eine Jobgarantie von 5 Jahren. In Summe denken wir aber, dass der Merger zum Erhalt von vielen Arbeitsplätzen beitragen wird.

N& W: Wie sieht man den Rotationsmarkt allgemein zukünftig. Wenn er so viel Perspektive hätte, hätte man ja nicht fusionieren müssen…
D. R.: Wir brauchen uns da nichts vormachen. Das Geschäft mit Offsetdrucksystemen, besonders im Rollenbereich ist weiter rückläufig. Die Zusammenführung unserer beiden traditionsreichen Unternehmen, die breite technologische Expertise und eine komplementäre geografische Marktpräsenz sollen vor allem im Dienstleistungsbereich neue kundenorientierte Lösungen ermöglichen. Durch die Bündelung unserer Stärken sind wir natürlich besser für die zukünftigen Entwicklungen positioniert. Manroland Goss ist ein noch stärkerer und nachhaltiger Player, der sich als langfristiger und zuverlässiger Partner der Kunden versteht.

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