Die Medienzarin: Friede Springer zum 75. Geburtstag

Vom Kindermädchen zur Verleger-Gattin und unbeirrbaren Unternehmerin: Friede Springer ist am 15. August 75 geworden.

Die Geschichte behält etwas Märchenhaftes, auch wenn Friede Springer längst in den ausgesetzten Höhen des Wirtschafts- und Medienlebens der Republik ihren Platz hat. Aber die Metaphorik des Aufstiegs vom Kindermädchen zur Medienzarin trifft ja tatsächlich zu, es ist die Erzieherin aus einfachen Verhältnissen, dreiundzwanzigjährig von dem Verleger Axel Springer engagiert, die heute die Mehrheitsgesellschafterin des größten europäischen Medienkonzerns ist, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Inhaberin eines Milliardenvermögens.

Doch dass sie heute eine der mächtigsten Persönlichkeiten im Medienbetrieb ist und die entscheidende Instanz eines erfolgreichen Unternehmens, verdankt sich nicht nur ihrer spektakulären Biografie. Es ist zum guten Teil auch ihr Verdienst. Axel Springer, die flamboyante Gestalt, die das Medienimperium schuf, ist zum Thema der Zeitgeschichte geworden, Friede Springer steht, sieht man auf dessen gegenwärtige Verfassung, für seine Gegenwart.

Ihre Bedeutung für die Medienwelt wird gern mit der freundlichen Formel umschrieben, dass nichts Wichtiges in dem großen Medienhaus ohne sie lief. Aber noch zwingender ergibt sie sich aus der Überlegung, wie die Entwicklung des größten europäischen Pressekonzerns sich vollzogen hätte, wenn es sie in den kritischen Phasen des Unternehmens nicht gegeben hätte. Denn das war in den letzten Lebensjahren seines Gründers ein schwankendes Boot, und nach dem Tod des Medien-Magnaten war die Gefahr beträchtlich, dass es umschlagen könnte.

Es war Friede Springer, die – hart bedrängt von Erben und Konkurrenten – das Unternehmen durch die Klippen der Erbauseinandersetzungen gesteuert und es nach Springers Tod gegen alle Versuche verteidigt hat, es ihr zu entwinden. Zumal mit dem Medienmogul Leo Kirch, der mit seinen Aktienkäufen bedrohlich weit in das Springer-Imperium eingedrungen war, lieferte sie sich einen harten Kampf. Langsam kaufte sie sich die Mehrheit zurück. Ihre Unbeirrbarkeit war das Fundament der Fortdauer des Verlags.

Unterschiede zu Axel Springer

Friede Springer erklärt das mit der Verpflichtung, die sie gegenüber dem Haus Springer empfindet. Doch dahinter steht mehr: der persönliche Auftrag, den sie aus ihrem Leben mit Axel Springer gezogen hatte. Das muss geprägt gewesen sein von einer tiefen, emotionalen Verbundenheit. Ein Hauch des Pygmalion-Motivs gehört dazu, denn Springer hat sie systematisch einbezogen in sein Berufsleben und auf eine Rolle im Unternehmen vorbereitet.

Sie ihrerseits hat ein glückliches Naturell und die Erfahrung einer intakten Familie in diese Beziehung eingebracht, was dem unsteten Mann Halt und Ausgleich gegeben haben mag. Dass sie ihr Büro in seinem Zimmer im 18. Stock des Springer-Hochhauses hat, das noch immer mit der Täfelung aus der „Times“ ausgestattet ist, die Springer sich gesichert hatte, ist ein Zeichen dafür, wie sehr sie ihre Existenz ganz in der Nachfolge ihres Mannes sieht. Aber die Treue zum Ort seines Wirkens drückt auch ihre Entschlossenheit aus, sich mit Haut und Haar der Verantwortung für sein Lebenswerk hinzugeben. Der Entwicklung des Verlags, den sie ihr Leben nennt.

Im Arbeits- und Lebensstil könnten die Unterschiede zu Axel Springer allerdings nicht größer sein. Friede Springer spielt die Rolle der mächtigen Frau, die sie ist, mit einer Bescheidenheit, die den Härten des Verlagsgeschäfts zu spotten scheint. Da ist nichts mehr von Axel Springers notorischer Leidenschaft, mit seinen Blättern Politik zu machen – was den Zeitungen gutgetan hat. Auch von dem Luxus, mit dem er sein Leben ausgestattet hatte, dem immer in Bewegung gehaltenen Riesenapparat von Häusern, Jachten und Privatflugzeugen, gibt es keine Spur mehr. Gemessen daran – so bekennt sie –, führe sie heute ein zurückhaltendes, bescheidenes Leben.

Dame der Gesellschaft

Eine Dame der Gesellschaft ist Friede Springer gleichwohl. Was heißt, dass man sie häufig bei öffentlichen Anlässen sieht, auf Empfängen und Gesellschaften. Längst wird die Zahl ihrer Auszeichnungen, vom Großen Bundesverdienstkreuz bis zur Ehrung durch das Weizmann-Institut, nur noch in Auswahl dokumentiert. Aber wo die schlanke, alterslos wirkende Gestalt in der Öffentlichkeit erscheint, ist es nicht ihre Prominenz, mit der sie wirkt, sondern das Strahlende, Liebenswürdige, irgendwie auch noch Mädchenhafte, das von ihr ausgeht. Und es fällt dann gar nicht so schwer, in der Konzernherrin noch etwas von der Gärtnerstochter von der Insel Föhr zu sehen, die sie einmal war.

Die Übersiedelung des Springer-Verlages von Hamburg nach Berlin 1967 hat die Norddeutsche zunächst erschreckt, aber in der Konsequenz zur Berlinerin gemacht. Keine Sekunde lang habe sie, so hat sie bekannt, nach dem Tod ihres Mannes daran gedacht, wieder nach Hamburg zu gehen. Wenn man ihre Existenz auf einen Nenner bringen will, dann ist es wohl der einer Bürgerin dieser Stadt, die in vielen Bezügen mit ihr verbunden ist und diese Bezüge auch lebt.

Das bezeugen die Stiftungen, die sie errichtet hat – die Herz-Stiftung wie die Friede-Springer-Stiftung, die sie allein aus ihrem Vermögen finanziert. Er ist auch abzulesen an ihrer Mitgliedschaft in diversen Kuratorien und Gremien. Es sind die gleichsam stadttragenden, von der Staatsoper über das Deutsche Herzzentrum bis zum Freundeskreis der preußischen Schlösser und Gärten. Auch dem Freundeskreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sitzt sie vor, und auch die Stiftung Zukunft Berlin kann auf sie zählen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*